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Dienstag 30 Mai 2006
Web 2.0, Rasterfahndung und Flüge in die USA
In einem Artikel in der Telepolis wird für die Jünger neuer Technologien zunächst die eher ketzerische Frage gestellt, was an Web 2.0 so fürchterlich neu sein soll, um kurz darauf auf sicherheitstechnische Probleme hinzuweisen. Zunächst wird der Zustand des bisherigen Webs beschrieben. Vielleicht sollte der allgemeinere Begriff Internet benutzt werden, da unterschiedliche Techniken (WWW, Email, FTP, irc,...) nebst deren unterschiedlichen Übertragungsprotokollen genutzt wurden – und immer noch genutzt werden.
Im Kern von Web 2.0 geht es um die Zusammenführung dieser unterschiedlichen Techniken möglichst bedienerfreundlich im WWW-Browser. Angereichert wird das ganze mit Skriptsprachen sowie einer standardisierten Schnittstelle zum Datenaustausch. Aber der wohl wesentliche Trick besteht darin, die Dokumentenstruktur einer im Browser angezeigten Seite so zu ändern, dass angeforderte Daten sogleich angezeigt werden. Ohne das Anwenderseitig die bereits geladene Seite erneut geladen werden muss. Es ist halt so bequem.
Web 2.0 wird gehypt weil es ein neues Geektool ist und für den Anwender so bequem. Und weil so geil und bunt ist, vergessen Programmierer die Datensicherheit und Anwender werfen sämtliche Bedenken bezüglich ihrer informationellen Selbstbestimmung über Bord. Es wird persönliches eingegeben, bis der Arzt kommt. Mit steigenden Eingaben bei gleichzeitig steigender Anwenderbasis lässt sich ein lehrbuchhaftes Data Mining betreiben – selbst mit relativ einfachen Mitteln können beeindruckende Ergebnisse erzielt werden.
Aus Telepolis-Artikel geht hervor, dass das FBI seit geraumer Zeit Programmierer mit Internet Know How einstellt. Spätestens jetzt sollte selbst bei Otto Normuser die eine oder andere Warnlampe aufleuchten. Denn was mit einfachen Mitteln lediglich ein 'Ahh'-Erlebnis hervor ruft, dürfte mit geheimen Datenbanken von Staaten und Unternehmen – und vor allem deren Vernetzung – schon ins erschreckende hinein reichen. Ein paar weitere Schlagworte gefällig? Banken-Scoring, Schufa, Flugdaten.
Immer wieder brilliant anzusehen sind die Leute, die mit Aussicht auf Gewinn eines geilen Sportautos ihre persönlichen Daten an Adresshändlern verschenken. Zurück zum Web 2.0: Angetan von soviel neuer Technologie gepaart mit einem gefälligen Webdesign heben sich beim Anwender etliche Schranken. Persönliches wird bedenkenlos preisgegeben. Was ich aus dem ganzen besonders hervorheben will, ist eine schlichte Landkarte, die Amazon-Wunschlisten ausgewählter Bücher in einer Google-Map darstellt.
Das ist nur offensichtlich, das sind einfach beschaffbare Daten und das war noch nicht mal der Anfang – denn wir sind mittendrin. Das Datensammeln und -auswerten läuft fast unbemerkt von der Öffentlichkeit schon seit geraumer Zeit. Darauf angesprochen Antworten viele Menschen mit dem beliebten Totschlagargument "Ich habe nichts zu verbergen!" Nun, euer Essen während des Flugs zum Shoppingtrip nach New York mag wahrscheinlich keine Sau interessieren, aber vielleicht weigert sich mal ein Versandanbieter an euch zu etwas zu Verkaufen, weil euer Scoring angeblich zu schlecht ist – und ihr wisst nicht warum.
Eure Daten gehören euch.