« Catch the rainbow | Startseite | This Blog is G-Rated »
Dienstag 26 Juni 2007
Der Tod wartet am Bahnübergang
Und nicht nur der. Überall wo etwas passieren könnte, lauert auch ein Bild-Journalist. Letzte Woche konnte Stefan Sievering sein 'großes Kino' in Form eines emotional aufgepeppten Sechsspalters in der Samstags-Bild beim Publikum abliefern. Stefan Sievering, das war Scheiße! Wen mein Mitgefühl gilt, erzähle ich weiter unten.
Hallo Stefan,
(Klick auf das Bild für eine große Vergrößerung.)
du vezeihst es mir doch, wenn ich versuche, meinen Kommentar in der Form abzuliefern, wie es der große Franz Josef Wagner (63) in seiner Post von Wagner manchmal auf Seite 2 deiner Bild tut. Es gibt viele Leser die Wagner ernst nehmen. Es sind mit Sicherheit die Leser, die keine eigene Meinung haben. Ich sah mal einen Film über diesen Wagner auf einem dritten Fernsehprogramm. Der beleidigte eigentlich jeden, der ansatzweise einen deutschen Text lesen und verstehen kann. Die von Wagner mit initierten Frauen- und Boulevardblätter sind unterste Schiene. Die Verkaufszahlen zeugen nur davon von, dass die Deutschen mehrheitlich Dumm sind und bleiben wollen. Und jetzt kommt dein Auftritt, Stefan Sievering.
'Diese DVDs waren mitnichten ihr Schicksal'. Das Schiksal der kleinen Michelle (2) war das Unvermögen ihrer Mutter, ein Kraftfahrzeug sicher zu führen. Weißt du: Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Wir alle kennen die echte Geschichte. Deine Kollegen haben sie einigermaßen brauchbar aus einer Pressemitteilung abgeschrieben. Stefan Sievering, was hast Du da getippt?
Eine junge Frau steht am Bahnübergang von Hohnhorst. Tränen rinnen über ihre Wangen. Eine S-Bahn rauscht vorbei. Ein solcher Zug machte die kleine Michelle (2) innerhalb von Sekunden zur Vollwaise.
Soweit der erste Absatz, und schon so daneben. Aber es weckt vermeintliche Gefühle deiner Leser, die du glaubst befriedigen zu müssen. Dabei wissen wir, das es anders war. Eine Recherche im Internet hätte dich eines besseren belehren müssen. Die vielen Artikel klingen so gleich in ihrem Wortlaut, als wären sie abgeschrieben. Sie sind auch abgeschrieben, nämlich von einer Agenturmeldung. Stefan Sievering, weißt du, was eine Agenturmeldung ist? Weiter in deinem Text:
Mutter, Vater und ihre zwei Brüder starben, als das Familienauto am unbeschrankten Bahnübergang von der S-Bahn zertrümmert wurde (BILD berichtete).
Der Text einschließlich der fiesen Unterstreichung stammt von Dir Stefan Sievering. Nur der Link wurde von mir eingefügt. Er soll zeigen, dass eure Redaktion vom echten Unfallgeschehen unterrichtet war. Er soll auch zeigen, dass Du uninformiert warst, selbst bei Kenntnis die Tatsache nicht beachten wolltest oder einfach nur selbst nicht recherchieren wolltest. Im folgenden zeigst Du selbst, dass Du nur rumschmierst - auf Kosten anderer.
Weiterhin: Ein unbeschrankter Bahnübergang ist mitnichten ein ungesicherter. Dort befinden sich rote Warnlampen, die bei Annäherung eines Zuges anfangen zu blinken. Weist Du was das bedeutet? Weiterhin befinden sich am Bahnübergang beiderseits Andreaskreuze. Die gelten immer und für jeden, für Autofahrer, Reiter und Fußgänger, von Montag sehr früh bis Sonntag sehr spät, ob die Sonne scheint oder es stürmt. Ob Nebel ist oder Kinder auf den Rücksitzen nerven.
Die weinende Frau an den Gleisen - es ist Michelles Patentante Mandy F. (31). Sie rettete kleine Mädchen aus den Tümmern. Kurz vorher hatten alle noch fröhlich Geburtstag gefeiert. Leise sagte Mandy F.: "Ich kann noch nicht begreifen, was passierte. Es ist wohl Schicksal. Wären diese blöden DVDs nicht gewesen…"
Der erste Satz samt Foto darf als getürkt betrachtet werden. Die Bildunterschrift zu dem Foto ist wiedersprüchlich. Denn er lautet:
Die S-Bahn rauscht an Mandy F. vorbei. Sie steht trauernd am Bahnübergang, an dem ihr Patenkind Michelle die ganze Familie verlor
Bildunterschriften enden bei der Bild grundsätzlich ohne Punkt, auch wenn zufällig mal ein Satz abgeschlossen werden sollte. Aber Stefan Sievering, wenn die ganze Famillie verloren ging, was macht Tante Mandy F. (31) denn da auf dem Foto? Ist sie eine Wiedergängerin? Oder hast Du nur Unsinn geschrieben? Weiter gehts es in deinem Text:
Michelles Familie hatte sich schon von der Geburtstagsgesellschaft verabschiedet. Doch dann drehten die fünf noch einmal um: Sie hatten ein paar DVDs mit Kinder-Filmen vergessen, die sie zu Hause gucken wollten.
Das ist eine freie Interpretation, Stefan Sievering. Hast Du Quellen dazu? Nein? - macht nichts, diese Arbeit sind wir von der Bild gewohnt. Außerdem sehen die von dir abgebildeten DVDs nicht gerade wie Originale aus. Müssen wir daraus schließen, dass Michelles Familie wegen Raubkopien starb? Stefan Sievering, deine Leser mögen das sein, wofür Du sie hälst: Dumm. Aber die Mehrheit der Deutschen ist es nicht. Dieses Detail mit den DVDs ruft eher einen Staatsanwalt auf den Plan. Stefan Sievering, Du hast den Tanten und Onkels der kleinen Michelle (2) einen Bärendienst erwiesen. Denn rechtliche Ansprüche sind vererbbar. Mandy F. (31) und alle anderen sollten bis auf weiteres die Finger von den DVDs und dem Familienerbe lassen. Weiter im Text:
In diesen wenigen Minuten näherte sich der Tod. Die Tante winkt noch. Die Familie fuhr im spitzen Winkel auf den Bahübergang zu. Das rote Warnlicht konnte sie wegen der tiefen Sonne nicht sehen. Kirschbäume und hohes Gras versperrten die Sicht auf die Bahnstrecke. Genau in diesem Moment, als der Wagen au die Gleise rollte, kam von rechts die S-Bahn …
Großes Kino! Wow. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. In meiner Jugend gab es den Spruch Bild sprach zuerst mit dem toten. Stefan Sievering, warst Du dabei? War die Tante dabei? Die Rote Lampe konnte sie nicht sehen, wie Du schriebst. Konnte Michelles Mutter die bereits wartenden Autos sehen? Sefan Sievering, Du warst doch scheinbar dabei. Konnte Michelles Mutter die bereits am Bahnübergang wartenden Autos sehen? Laut den Berichten deiner Kollegen warteten bereits andere Autos am Bahnübergang. Richtete die Mutter von Michelle (2) ihre Aufmerksamkeit auf den vor ihr liegenden Verkehr? Wohl kaum. (btw: Welche Kirschbäume?)
Die betreffende Kreuzung. Von Nord nach Süd verläuft die Bahnlinie, von Ost nach West die Straße. Von unten kam die S-Bahn, von links Michelles Mutter. Stefan Sievering, erläutere uns mal einen 'spitzen Winkel'. Oder meinst du den Bahnübergang etwas nördlich (oberhalb) vom roten Kreis? Wohl kaum, denn dann wäre Michelles Mutter im Acker gelandet und Du hättest keine Story. (Luftbild via Stadtplandienst.de)
Weiter in deinem Text...
Mandy F. musste den Horror-Crash ansehen. Geschockt begleitete sie Michelle im Hubschrauber ins Krankenhaus. Inzwischen ist die Kleine wieder Gesund. Sie weiß noch nicht, was passiert ist, fragt jeden Tag nach Mama und Papa ...
Stefan Sievering, war das heute auch so? Warst Du heute da und hast Michelle besucht? Welch' vermessene Frage, für den Artikel wurdest du entlohnt. Was kümmert dich das Später. Stefan, kleine Kinder fragen immer nach Mama und Papa, was ist daran so neu? Ach, nichts, du wolltest nur auf den Tränendrüsen anderer rumdrücken.
Ihre Tante Mandy will jetzt dafür kämpfen, dass nicht noch mehr Unschuldige am Todes-Bahnübergang sterben. Das Angebot der Bahn, in ein bis zwei Jahren dort Schranken zu installieren, ist für sie Hohn.
Diesen Absatz muss ich erstmal teilen, weil es zunehmend Blöder wird und auf vierlerlei Sachverhalte eingegangen werden muss. Wofür Mandy F. kämpft, bleibt ihr überlassen. Der Bahnübergang wurde bereits vor über einen Jahrzehnt ausreichend ausgestattet. Stefan Sievering, warst Du schon mal in Hohnhorst? Mit Sicherheit nicht. Nur weil eine Autofahrerin bar jeder Kenntnis der Verkehrsregeln dort sich selbst und Teile ihre Familie in den Tod reisst, ist es noch lange kein 'Todes-Bahnübergang'. Der Bahübergang in Hohnhorst gilt als Sicher. Ich kann das aus eigener Erfahrung wiedergeben. Weiter im selben Absatz:
"Erst gestern sind wieder zwei Autos versehentlich bei Rot über die Gleise gefahren. Da muss sofort ewtas passieren, zumindest ein zusätzliches Warnlicht angebracht werden." Das ganze Dorf steht hinter ihr.
Die Autos sind garantiert nicht versehentlich über die Gleise gefahren. Die Fahrer der Autos haben vielmehr ihre Umgebung samt deren Verkehrszeichen ignoriert. Das mit dem 'versehentlich' stellt eher eine Ausrede dar, die gerne vor Gericht gebraucht wird. Aber Stefan Sievering, dass Du diese Ausrede anderen in den Mund legst, sagt ziemlich viel über dich aus. Nach meiner Erfahrung werden Bahnübergänge seitens der Autofahrer mindestens aus Fahrlässigkeit, eher aus einer Selbstüberschätzung heraus ignoriert. Aber deine Erkenntnis dürfte die örtliche Polizei interessieren.
Das einzige, was dort passieren sollte, wären Polizeikontrollen. Denn die Zeichen eines Bahnübergangs zu misachten ist teurer als an einer roten Ampel vorbei zu fahren. Aber wahrscheinlich würde ein Bildjournalist daneben stehen und 'Geldschneiderei' plärren. Ungeachtet der Tatsache, welches Fehlverhalten eine autofahrende Mutter an den Tag legen kann. Die Folgen haben deine Kollegen beschrieben, Stefan Sievering. Du musst aber eine Seifenoper bar jeglicher Realität daraus machen.
Alle, die an rotblinkenden Ampeln, Andreaskreuzen oder geschlossenen Schranken vorbei fahren, sind für die eintretenden Folgenden selbst verantwortlich. Stefan Sievering, ich erfinde auch mal eine Geschichte: "Die Mutter der kleinen Michelle musste ihre großen Brüder zur Ordnung rufen. Ihr Ehemann auf dem Beifahrersitz war dazu nicht in der Lage. Sie drehte sich um zu ihren Kindern auf der Rückbank um und übersah vorraus den Bahnübergang." Stefan Sievering, meine Version ist genauso Erfunden wie deine.
Die Minderheit der Autofahrer, die aus einer Unachtsamkeit heraus Stopzeichen missachtet, ist wirklich gering. Viele tun es fahrlässig oder gar mit voller Absicht. Dennoch gilt im Straßenverkehr: Augen auf und volle Konzentration! Sollten im eigenen Fahrzeug irgendwelche Unregelmäßigkeiten auftreten, fahre man an den Straßenrand. Das gilt auch, wenn man aufgrund der Witterung die Strecke nicht erkennen kann. Das Ergebnis des Drogenscreenings von Michelles Mutter steht noch aus. Immerhin kam sie von einer Familienfeier. Stefan Sievering, berichtest Du auch darüber? Halt uns auf dem laufenden!
Aber dein stärkstes Stück kommt zum Schluss:
"Notfalls blockieren wir solange die Gleise, bis die Bahn reagiert…"
Stefan Sievering, sag mal, hast Du das den Leuten in den Mund gelegt? Hast Du eine leise Vorstellung davon, was solcherart Aussagen bewirken können? Was meinst Du wohl wieviel Menschen morgens und abends mit der Bahn zur Arbeit und wieder nach Hause fahren? Sollen die alle mit dem Auto fahren? Sollen die Leute etwa morgens übermüdet auf der Landstraße gegen einen Baum fahren? Oder abends die Jugendlichen, die von der Disko nach Hause wollen.
Hast Du eine leise Vorstellung davon wie unübersichtlich die Stelle von Haste aus ist? Was ist, wenn die Hohnhorster dich ernstnehmen und den Bahnübergang blockieren? Nimmst Du das auf deine Kappe? Wohl kaum.
Sag mal Stefan, hast Du dir den Bahnübergang überhauptmal angeschaut? Von Haste aus gesehen ist es total spät einsehbar. Alle die auf dem Bahnübergang rumstehen sollten sich beim aufleuchten der roten Lampen auf die sichere Seite bewegen. Stefan Sievering, wir sollten uns mal über Begriffe wie Vorsätzlich und Fahrlässigkeit unterhalten. Insbesondere unter Berücksichtigung deines inhaltlich erfundenen Artikels.
Stefan Sievering, selbst deine Kollegen von Spiegel-Online haben mehr auf die Reihe gekriegt. Inklusive Video, der den Bahnübergang aus der Nähe zeigt. Wieviel Lampen willst Du dort noch aufhängen? Vielleicht sollte man 500 m beiderseits des Bahnübergang jedes Auto anhalten und einen Fahrlehrer einsteigen lassen, der deine Leser sicher auf die andere Seite bringt. Hast Du überhaupt einen Führerschein, Stefan Sievering?
Die Überschrift von Spiegel-Online wäre nach Maßgabe deines Kai Dieckmann wahrscheinlich als nur mäßig übergeigt zu bezeichnen, aber das müssen die Spiegelschreiber mit Stefan Aust und seinen Lesern ausmachen. Die Überschrift trifft es aber besser als deine. Aus dieser Nummer bist Du raus. Aber selbst in Österreich bekommt man die Umsetzung einer deutschen Pressemeldung besser hin.
Gut, kommen wir langsam zum Ende. So scheiße wie Franz Josef Wagner (63) zu schreiben fällt mir doch schwer, soviel trinken um so tief runter zu kommen kann ich trotz jahrelanger Übung immer noch nicht. Beides erscheint mir aber auch nicht als erstrebenswertes Ziel.
Aber ich wollte mein Mitgefühl ausdrücken: Mein Mitgefühl gilt den Überlebenden, vor allem der kleinen Michelle. Aber in ein paar Jahren wird sie sich an diesem Vorfall nicht mehr erinnern, wenn man ihr Mandy F. (31) vorenthält, die mit Sicherheit nichts besseres zu tun hat, als die kleine Michelle beständig an dieses Ereignis zu erinnern. Stefan Sivering wird schon dafür sorgen, sofern ein paar Tantiemen für beschissen recherchierter Artikel dafür raus springen.
Weiterhin tun mir alle Personen Leid, die unmittelbar diesen Unfall miterleben mussten. Der Lokführer wird immer moch psychologisch betreut. Was mit den Rettungskräften ist, kann ich leider nicht sagen. Aber eine tote Familie aus einem zertrümmerten Auto zu bergen, dass stelle ich mir belastend vor. Unter Umständen waren unter den Helfern Verwandte oder Bekannte der Familie. Aber darüber verlor niemand ein Wort.
Wer mir auf jeden Fall nicht leid tut, sind die Calenberger im Allgemeinen und die Hohnhorster im Speziellen. Weil sie erstens Verkehrsregeln nicht kennen und weil sie zweitens Bildjournalisten ernst nehmen. Soweit im Umkehrschluß die Aussage Deines Artikels.
Meine Hoffnung liegt darin, dass die fiktive Mandy F. (31) sowie alle Calenberger dazu lernen: Bildschreiberlinge gehören bei ihrem ersten Auftreten sofort geteert und gefedert. Und Stefan Sievering, meine Hoffnung liegt weiterhin darin, so eine entstellende Scheiße nie wieder lesen zu müssen. Noch nicht einmal in einer in der S-Bahn gefundenen, ausgelesenen und zerknitterten Bild.
Stefan Sievering, fortan wenn Reporter ohne Grenzen das Ableben eines ihrer Kollegen bedauern, denk' ich an dich. Dann sag' ich leise zu mir, "der Schmierfink hat es nicht besser verdient". Stefan Sievering, ist das in deinem Sinne? Was stellst Du dir vor? Einen Grimme-Award? Für sowas?
P.S. An alle Leser, die man gerade Stefan Sieverings Niveau erreichen; eins sei euch meinerseits versichert: Dieser Beitrag richtet sich einzig gegen den Artikel von Stefan Sievering erschienen in der Samstagsbild vom 23.6.07 (Hannover-Ausgabe, Seite 8). Niemals gegen Michelle (2), ihrer verbliebenen Verwandten, die beteiligten Rettungskräften oder den Einwohnern des Calenberger Landes. Der Artikel ist so scheiße, dass er diese Reaktion meinerseits geradezu heraus forderte.
Meine launisch hervorgebrachte Kritik richtet sich einzig gegen die Person namens Stefan Sievering, der für das Periodikum Bild schreibt.
Heiko Kothhöfer.