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Samstag 15 September 2007
Playmobil-Mangel angedroht, China schuld
Ja ja, kaum ebben die Nachrichten rund um die bleiverseuchten Spielzeuge aus China ab, heben sich hiesige Produzenten mit gehobener Sitmme hervor: „China kann jede Qualität liefern“. Klar, das untere Ende des Fertigungsspektrums dürfte sich noch halbwegs in unserer Erinnerung befinden. Mattel zog freiwillig etliche Millionen seiner Produkte vom Markt zurück. Der Grund dafür waren halt jene bleiverseuchten Farben, die bei uns schon seit geraumer Zeit verboten sind.
Aber das ist ja alles nicht so schlimm, beteuert Andrea Schauer gegenüber dem Tagesspiegel. Denn schließlich lassen ja auch deutsche Hersteller in China fertigen. Also kann es ja gar nicht so schlimm sein. Frau Schauer spricht als Geschäftsführerin für Playmobil. Weinger laut tritt die Fa. Schleich in diesem Zusammenhang mit ihren 'Weichtieren' auf. Beiden gemeinsam ist, das sie relativ hochpreisige Artikel für Kleinst- und Klein- uns sonstige Kinder anbieten.
Der Teufel wird in Form von leeren Warenregalen an die Wand gemalt, die zur kommenden Weihnachstzeit die Läden der Spielehersteller beherschen sollen. Laut Frau Schauer können diese Lücken nicht aufgefüllt werden, wenn die EU die Einfuhr giftiger Spielsachen unterbindet. Denn die Produktion kann in Deutschland nicht beliebig hochgefahren werden, so die Begründung. Ah ja, äh, wie groß war nochmal unser Arbeitslosenheer? Also, daran mangelt es mit Sicherheit nicht.
Dennoch wird ein hinterpfotziges Drohpotenzial aufgebaut, in dem Weihnachten und Kinder als Waffe gegen den Verbraucher gerichtet werden. Denn eins sollte klar sein, Playmobil und Schleicher wollen nur unser bestes – unser Geld. Der Haken an dieser Sache ist aber, dass man leider nicht mit der Verlagerung ins Ausland drohen kann. Denn China ist ja in der Lage, 'jede Qualität' zu liefern. Alle Länder außer China müssen demnach zu teuer in der Produktion sein.
Leider versteh ich im Moment unter der vom Tagesspiegel unreflektiert veröffentlichten Meinung nur die Drohung, entweder ihr kauft, oder eure Kinder weinen. Geht's noch gut?
Vorbehalte gegen China hatte noch vor nicht allzu langer Zeit selbst Andrea Schauer gehabt, denn sie befand: Gegen China sprachen die langen Lieferwege. Zudem hatte man keine erprobten Manager, die dort die Produktion überwachen wollten. Und letztlich wäre die Maßanfertigung von Playmo-Qualität dort gar nicht viel billiger gewesen. Also blieb die Produktion hier. So einfach. Whowhowhow, was hat sich seit dem Artikel in der Zeit vom 29. April 2006 bis jetzt geändert?
Andrea, lass uns an deiner Erleuchtung teilhaben. Bist Du Erwachsen geworden und abgebrühter – oder hast Du wie für Leute in deiner Position üblich einfach nur Prinzipen und Leute über Bord geworfen und PR-Sprech geübt?
Noch ein Brüller aus dem Zeit-Artikel: Dagegen ist Playmobil ausgesprochen altbacken. Zur Fußball-Weltmeisterschaft haben die Zirndorfer Fußballspieler entworfen, die auf einem kleinen Ständer montiert werden und etwas ungelenk ein Bein schwingen können.Tipp Klick? Sehr innovativ... Kein Wunder, das der Playmo-Scheiß wie Blei im Regal liegt.
Mittlerweile frage ich mich, wieviel Unternehmen an Geld sparen könnten, wenn nicht irgenwelche Aktienbesitzer ständig auf Profit bestehen würden. Vielleicht sollten Playmobil und Schleicher ihre Geschäftform überdenken und daraufhin ihre Produktionen wieder ins Inland verlegen. Die Vorteile liegen auf er Hand, denn es lässt sich viel hochwerig bezahltes, aber unproduktives Volk einsparen. BWler, VWLer, Juristen sowie deren Fußvolk, die nur für ein Berichtswesen an die Shareholder zuständig sind, liessen sich gegen einen produktiven Maschinenpark nebst den zur Bedienung notwendigen 'Humanresourcen' eintauschen.
Das in die künftig hiesigen Mitarbeiter direkt und indirekt investierte Geld würde darüber hinaus einen anderen Fluss nehmen und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Binnenkonjunktur ankurbeln. Export wäre dann auch noch drin; Playmos und Weichtiere laufen ja generell gut, hab' ich gehört. Und wenn es nicht doch nicht so gut laufen sollte, naja, dann bedroht man öffentlich Verbraucher und Hartz IVler. Einen Investitionsanreiz in Form billigen deutschen Arbeitern hat die Große Koalition ja schon geschaffen. Und die paar Maschinen sind schnell abgeschrieben.
P.S.
Wenn ich sowas erst im Tagesspiegel lese und dann in der Zeit nachverfolge bin ich immer noch froh, dass ich keine Kinder habe.