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Freitag 28 März 2008

Worte der Woche

->Na gut, einige Äußerungen sind schon etwas älter als eine Woche, aber nichts desto trotz waren es die besten weisen Worte der letzten Zeit. Den Anfang macht der Ex-Wirtschaftsminister Österreichs:

Lacina: „Ich lerne daraus, dass der Neoliberalismus tot ist, für länger.“

Der Tod nimmt einen eigentlich für nicht nur für länger mit, sondern für immer. Oder impliziert diese Äußerung insgeheim ein Comeback? Oder ist Lacina insgeheim ein Anhänger des Buddhismus? Im letzteren sind Wiedergänger ja durchaus ein viel diskutiertes Thema. Ich für meinen Teil gönne der neoliberalen Brut eine derartige Pleite, dass es für die Überfahrt ins Totenreich nur für ein Oneway-Ticket reicht. Aber tot gesagte leben ja bekanntlich länger, als man es sich wünscht. Ne' ey, brrr, den Gedanken verscheuch' ich erstmal.

Ungewohnt für hiesige Verhältnisse dürften die klaren, verständlichen Sätze sein.

-> Als nächstes wäre da die Zinkpest, von denen die Märklin-Loks befallen sind. Outgesourct nach China machen sich nun die ersten Qualitätsmängel im europäischen Absatzmarkt bemerkbar. Der Chefentwickler wollte der Sache in einem Internet-Forum auf den Grund gehen und kassierte letztendlich nach mehreren Jahrzehnten Betriebszugehörigkeit eine Entlassung. Aber die britischen Heuschrecken Investoren reagierten auf dieses Manko prompt mit einer Umbesetzung in der Führungsebene. Ein Mitarbeiter bringt es auf den Punkt:

„Jetzt haben wir neue Berater, aber keinen Chefentwickler mehr“, sagt ein Mitarbeiter. „Ob uns das weiterbringt?“

Dann gibt es da noch ein Blog, welches uns die USA erklärt. In einem Beitrag wird uns lang und breit erklärt, dass es sich bei Amerika um ein Flächenstaat handelt. Mit sehr großen Entfernungen. Die zum größten Teil mit Autos zurück gelegt werden; oder Flugzeugen. Eine brauchbare Nahverkehrsinfrastruktur tut Not, aber laut Augenzeugenberichten hapert es daran gewaltig. Darüber hinaus soll in einigen Gegenden alles was eine Tür oder ein Fenster hat, auch eine Klimaanlage besitzen. Ich möchte fast schon darauf wetten, dass dort der Begriff Isolierung in einer gelebten Praxis ein völlig Fremder ist. Zur Erinnerung: Der Krieg im Iran sichert Hintergründig nur den Zugang zu Öl-Resourcen. Mehr nicht. Alles andere ist Augenwischerei. Hier auf die schnelle ein Zitat:

„Insgesamt jedoch hielten sich die Amerikaner angesichts stark steigender Benzinpreise, fallender Immobilienpreise und Sorgen über die Wirtschaftsentwicklung mit Autokäufen zurück.“

Aha, der Dollar sitzt also nicht mehr so locker!? Mit ein wenig zeitgemäßer Autotechnik könnte man schon mal an einer Stellschraube drehen. Vielleicht könnten die Amis ja mal zu Abwechslung den Inlandsmarkt insofern ankurbeln, als dass von öffentlicher Hand eine effiziente Verkehrsinfrastruktur aufgebaut wird. Ja ja, D-Land ist derzeitig in dieser Hinsicht auch kein Musterknabe mehr, aber euch schlagen wir noch um Längen.

->Und nun zu etwas ganz anderem: Steinmeier begrüßt Verlängerung des UNO-Mandats in Afghanistan. Was soll man dazu noch sagen? Der in Deutschland fest klebende Außenminister einer eigentlich nicht gewählten Regierung begrüßt Entscheidungen, die seine Wähler weder nach vollziehen können noch gutheißen. Warum, Herr Steinmeier, bleiben sie hauptsächlich in der Deckung, während Frau Merkel durch die Welt jettet? Na gut, nach über vierzig Jahren DDR kann man die frisch erworbene Reisefreiheit schon mal genießen. Ich bezahle für Sie, daher müssen Sie sich die Frage gefallen lassen: Während Frau Merkel ungehemmt reist und somit Ihren Job macht, Herr Steinmeier, was machen Sie eigentlich den ganzen Tag? Parteipolitik? Sie wollen gewählt werden? Kurnaz! Kurnaz!

->Meinungäußerungen stellen in Deutschland ein hohes Gut dar. Die freie Meinungsäußerung galt bislang m.E. nach nur einer einzelnen Person – leider auch einer juristischen – gegenüber dem Staat. Aus vielen leidvollen Erfahrungen diverser Foren und Blogs galt dies nicht gegenüber Unternehmen jeglicher Art. Nun hat vor kurzem das Landgericht Münster geurteilt, dass berechtigte Kritiken gegenüber Unternehmen auch öffentlich geäußert werden dürfen. Na endlich. Allerdings sind dabei ein paar nicht gar so kleine Kleinigkeiten zu beachten: Keine Schmähkritiken! Also immer schön auf dem Teppich bleiben!

Die Herabwürdigung des Produktes der Verfügungsklägerin und deren Service als zweitklassig, ist eine zwar polemische im Lichte des Grundrechts auf Meinungsfreiheit jedoch nicht rechtswidrige Äußerung.

(Erklärung: Dies ist kein rechtlicher Hinweis, dies ist ein Hinweis auf verbraucherfreundliches Urteil. Nicht das jetzt an Mandaten knappe Rechtsanwälte meinen, mir mit Abmahnungen auf den Pelz rücken zu müssen…) Auf jeden Fall ist der eigentlich im juristendeutsch verfasste Beitrag des Rechtsanwalts Dr. Bahr lesenswert.

->Last but least ist der letzte Eintrag dem Genossen Sebastian Edathy vom neuen Projekt 18 gewidmet. Seine tief schürfende Erkenntnis lässt tief blicken:

„Zwar könnten Kameras solche Taten an sich nicht verhindern, jedoch würden ihre Aufzeichnungen die Strafverfolgung erleichtern, sagte Edathy. Die abschreckende Wirkung von Videokameras nannte der SPD-Politiker eher gering: „Wer zur Tat entschlossen ist, wird sie auch trotz Kameras durchführen.“ In einem Land mit 80 Millionen Einwohnern gebe es „immer Verrückte, die so etwas tun“.“

Eins vorweg: Es geht um den von einer Autobahnbrücke geworfenen Holzklotz, der eine zweifache Mutter tötete. Die Schweine, die so etwas tun, gehören aus dem Verkehr gezogen. Das muss man jetzt näher nicht diskutieren. Für meinen Teil hoffe ich, dass das ausgesetzte Kopfgeld einen Fahndungserfolg bringt. Eine Mutter im Beisein ihrer Kinder und ihres Mannes aus einer Laune heraus zu töten; dazu fehlen mir die Worte.

Dennoch wollen wir die Zitate des Hinterbänklers Genossen Edathy in ihrer Gesamtheit mal näher anschauen: Blubber. Immerhin ist ein Buzzword enthalten.

Kameras verhindern keine Taten. Kameras schrecken aber auch nicht ab. Kameras dienen einzig dazu, seine Fresse hinein zudrehen und den Mund zu öffnen. Dummerweise unterscheiden sich Fernsehkameras von Überwachungskameras darin, dass sie ein Mikrophon enthalten. Und wenn die Kamera läuft, ist das Mikro praktisch immer eingeschaltet! Was daran, Sebastian, ist so neu? Überwachungskameras sind also Wirkungslos, aber trotzdem sollen sie installiert werden. Großes Kino!

Aufzeichnungen von Kameras aber müssen irgendwann mal ausgewertet werden. Demnach benötigen Kameras Personal, das sich um die Videos kümmert. Wer soll das ob der von dir zugestandenen Wirkungslosigkeit bezahlen? Ich nicht. Wie wäre es damit, beginnend an neuralgischen Brücken, die Brückengeländer durch Lärmschutzwände zu ersetzen? Fire and Forget – einmal aufgebaut und gut. Dann kann man vielleicht mal wöchentlich 'ne Polizeistreife vorbei fahren lassen. Die kontrolliert dann lediglich augenscheinlich die Bausubstanz und den Nutzen als Wurfsperre. Denk mal darüber nach, Sebastian.

Frei nach Volker Pispers: Wenn Du glaubst es geht nicht mehr Dümmer, kommt eine Merkel daher. Also, wenn Du glaubst, Sebastian Edathy labert dummes Zeug, dann lies dir mal die vermeintlich psychologisch fundierte Rechtfertigung von Tilman Steffen durch. Ach, es waren doch nur Kinder… Immerhin gibt es in dem Beitrag weitere wirkungsvollere Verwendungsmöglichkeiten der von SPD-Hinterbänklern angedachten Gelder für Nutzlose Kameras an. Aber immerhin findet Tilmann die Mörder doof…

->Alle Mac-Anwender sind schwul. So zumindest will es F!XMBR unterschwellig vermitteln, wenn es in letzter Zeit auf ein Oldenburger Schwulen-Blog zwecks irgendwelcher Aufklärung verweist. Na klasse, das hat uns jetzt echt gefehlt. Nicht mehr fehlen wird mir F!XMBR, weil er aus dem Feedreader geflogen ist. Ich hatte sowieso immer schon den Eindruck, alle Themen irgendwann irgendwo vorher schon mal gelesen zu haben – selbst im Nachrichtenüberblick. Diesen Rauswurf betrachte ich nicht als Verlust, sondern als Bereicherung, immerhin bleibt mir künftig mehr Zeit für wichtigeres.

Eingestellt von Heiko um 1:00 |

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