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Freitag 04 Juli 2008
Suchtprävention
Jaja, die Regierung mal wieder. Nun will sie den Alkoholverkauf an Tankstellen zu bestimmten Zeiten verbieten, weil angeblich zu viel heranwachsende und jugendliche (korrekte Reihung?) dem Alkohol frönen. Davon mal abgesehen, dass die Tanken mittlerweile mehr Sprit als Sprit – äh, mehr Alkohol als Benzin – verkaufen, wird unter einem merkwürdigen Vorwand diversen Menschen aus der Leichtlohngruppe eine Einkommensquelle aufgrund einer Fehleinschätzung versiegt.
Das etliche Tanken (und andere Verkaufsstellen mit Nachtschalter außer Apotheken) ihren Hauptumsatz nicht mehr übers Benzin machen, dürfte wohl eine Binse sein. Versucht mal eine Glühbirne oder einen Scheibenwischer passend für euer Kfz zu erwerben… (Fragt mal die Person hinter der Kasse wo es das gibt und ob das für 'Schnuckelchen' auch das richtige ist…) Ein Sechserträger dürfte wohl leichter erstanden sein. Gut, genug auf das Personal eingedroschen, aber klar dürfte sein, dass Tanken am Nachtschalter mehr der Grundversorgung der Bevölkerung dient, als dem Party-Drang des Nachwuchses Nachschub zu liefern.
Mit der Keule des Jugendschutzes haut diesmal Sabine Bätzing (SPD, 33, hübsch) um sich und trifft die Falschen. Denn derzeitig wird nirgendwo stärker auf's Alter geachtet, als an beschriebenen Tanken (und anderen Verkaufsstellen mit Nachtschalter einschließlich Apotheken). Das habe nicht nur ich persönlich selbst so erlebt, dies scheint wohl eine allgemeine Erfahrung zu sein, wenn man den Kommentaren aufgrund des Artikels auf Wel-T-Online glauben schenken darf. Meines Erachtens nach macht Frau Bätz einen auf Populismus. Nirgendwo gibt es weniger Menschen in der Altersklasse U18, als an Tanken (und anderen Verkaufsstellen einschließlich Apotheken).
Frau Bätzing haut mal wieder in die Medienkerbe: Beschreie die Ausnahmen, und leite dann nicht gerechtfertigte Handlungsvorschriften für die Mehrheit ab. Auffällige jugendliche mit Alkohlproblemen, die es in die Medien schaffen, sind eine Minderheit. Die Mehrheit ist durchaus in der Lage, sich zu benehmen. Anstatt sich der Minderheit anzunehmen, versucht Frau Bätzing die Mehrheit zu reglementieren, denn wie bereits beschrieben, des nächtens an der Tanke (und anderen Verkaufsstellen einschließlich Apotheken) treibt sich kein junges Pack rum.
Ach, ich vergaß zu bemerken, dass in diesem Sommerloch in den Medien noch nicht der Begriff 'Sommerloch' fiel. Denn mehr ist es nicht, als das sich wie üblich HinterbänklerInnen zu Worte melden – frei jeglicher Ahnung.
Bestenfalls werden Symptome abgestellt, aber am eigentlichen Problem geht es vorbei. Alkoholkonsum Jugendlicher, die durch Werbung verführt und durch 'beispielhaftes' Verhalten Erwachsener ermuntert werden, kann man nicht tolerieren. Die Kinder brauchen Hilfe und Anleitung. Was die Mehrheit der Bevölkerung aber nicht braucht, sind weitere Einschränkungen in der persönlichen Lebensführung. Es kann ja wohl nicht angehen, dass eine Mehrheit aufgrund einer schlecht bis gar nicht erzogenen Minderheit Einbußen in der privaten Lebensführung hinnehmen soll.
Diesen Ball pritsche ich zurück übers Netz. Vorbildcharakter haben in erster Linie Eltern, dann kommen Kindergärten, Schulen und höhere Lehranstalten – auch des zweiten Bildungswegs (Hallo Gazprom-Gerhard). Erstere haben selbstverständlich die Hoheit über die Erziehung ihres Nachwuchses. Alle anderen lehren einen gemeinschaftlichen Konsens, der von der Mehrheit der Bevölkerung bestimmt wird. Oops, jetzt sind wir in der Bildungspolitik angelangt.
Die Äußerung von Frau Bätzling kocht bestenfalls die Volksseele hoch, echte Lösungen bleiben leider außen vor (Werbeverbot für jegliche Drogen? Gesellschaftlich unterstütze Erziehung zu freien und bewusst lebenden Menschen?). Nur Populismus, mehr ist das nicht, was Frau Bätzing da äußert. Die Forderung geht mal wieder an einer Mehrheit vorbei, klingt aber gut. Das mit den Drogen ist sowieso so ein kurioses Ding – seit bestehen der Menschheit werden bewusstseinsverändernde Stoffe eingenommen. Kein künftiger Kulturschock wird darüber hinweg helfen. Ein geeigneter Umgang, der von klein auf gelehrt wird, scheint angezeigt. Aber davon ist die Drogenbeauftragte der Sozen weit entfernt.
Das Dumme an der Sache ist aber mal wieder das scheiß Web 2.0; siehe die Kommentare zum oben verlinkten Artikel. Die Hauptkritik aber ist und bleibt, dass ein zunehmender Personenkreis (aka Wähler) keine weiteren Einschränkungen in der persönlichen Lebensführung hinnehmen will. Wir Erinnern uns künftig: Frau Bätzing ist Parteimitglied der SPD.