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Dienstag 29 Juli 2008

Noch'n alter VW Käfer

Mein dritter in dieser Rubrik aber der erste aus heimischen Gefilden. Gefunden hab' ich dieses liebevoll restaurierte Fahrzeug vor einem Schwesternwohnheim, was auf eine junge und attraktive Schwesternschülerin als Fahrerin hoffen lässt (nur mal um dieses Klischee anzuwenden).

Die Häufung dieses Fahrzeugs in dieser Rubrik korreliert halt mit der Verbreitung auf unserem Erdenrund. Denn immerhin wurde dieses Symbol des deutschen Wirtschaftswunders über ein halbes Jahrhundert lang gebaut und über 21 Millionen mal verkauft. Generationen von Automobilisten 'erfuhren' ihre Umwelt neu, reisten gar im Kriechgang über die Alpen bis nach Italien; der Wagen zeigte nicht nur den persönlichen Aufschwung an, auch wurden Familien befördert oder gar gegründet (die Handschlaufen, you know?).

Vergammelte Heizbirnen, fest gerostete Seilzüge, manchmal fiel bei älteren Wagen der Beifahrersitz auf die Straße. Reparaturfreundlich war der Käfer nie. Kaum Stauraum und im Winter von innen vereiste Fenster, so was wie Komfort war nur rudimentär in Form von recht stramm gepolsterten Sitzen vorhanden. Das mit der Reparaturfreundlichkeit ging so einigermaßen. Immerhin konnte die Kupplung – wenn man einigermaßen geübt war – binnen einer halben Stunde getauscht werden.

Mit der Zeit wurden die Modelle besser ausgestattet, technisch komplexer sowie einige Details im Motorraum schwieriger zugänglich. Besonders die 02' und 03er Versionen stachen leidvoll ins Auge. Wobei die 1200er (zwölfnullzwo, zwölfnulldrei) noch so einigermaßen gingen. Die 1300er (dreizehn nullzwo…) waren echt die Pest. Besonders unangenehm fiel es mir auf, als ich während meiner Lehrjahre an einem 1303 die Zündkerzen wechseln musste.

Um Kerze Nummer vier – glaub' ich, also wenn man vor der geöffneten Motorhaube kniet, links hinten – zu wechseln, braucht man am linken Arm einen sehr flachen Daumen nebst passendem Zeigefinger sowie ein zweites Ellbogengelenk. Sehkraft hingegen wird nicht benötigt, man muss in der Lage sein, die Umgebung per Tastsinn erkennen zu können. Beim Käfer befindet sich die Motorhaube hinten, nur mal so für die Kids unter euch.

Also, nach dem die Kerzen eins bis drei so einigermaßen reibungslos ersetzt wurden, machte ich an Nummer vier ran. Die alte Kerze lag auch einigermaßen fix auf dem Werkstatttisch und die neue ward zur Hand. Zwischen Daumen und Zeigefinger eingespannt führte ich die Kerze im engen Motorraum vorbei an scharfkantigen Lüftungsblechen, diversen Kabeln und Schläuchen sowie schmierigen Motorteilen in die vorgesehene Öffnung. Mein Mittelfinger ersetzte alle meine Sinne und übernahm die Führung ins schmierig feuchte Dunkel.

Kurz darauf ertastete mein Mittelfinger das feine Gewinde, welches die Kerze aufnehmen sollte. Der erste Versuch die Kerze in das Gewindeloch einzuführen schlug so was von fehl: Die Kerze, leider leicht schief angesetzt, verkantete sich kurz, um darauf hin meinen Fingern zu entgleiten. Mit leisem Klappern verabschiedete sie sich in die Untiefen der Lüftungsbleche. Stille.

„Scheiß Käfer!“ fluchte ich in mich hinein.

Gerade so eben konnte ich noch die Keramik des Isolators mit den Fingerspitzen erahnen. Einen irgendwie beweglichen Eindruck machte die Kerze überhaupt; sie war hoffnungslos zwischen Kühlrippen und Lüftungsblechen eingeklemmt. An ein herankommen jedweder Art war ohne den Ausbau des Motors nicht zu denken – und das wäre ökonomischer Unsinn gewesen. Mist.

Die alte rein zu drehen war Unsinnig, ihre Ersetzung war durchaus notwendig. Einfach so zum Ersatzteillager zu gehen um eine neue anzufordern war undenkbar. Dies hätte Fragen nach sich gezogen und diese peinliche Vorfall wäre kaum vor den Kollegen verborgen geblieben. Also kam ich nicht drum rum meinen Meister zu kontaktieren.

Nach dem er Zeit gefunden hatte sich meines Problems anzunehmen, machte er sich ein Bild der Lage. Sein anschließend an mich gerichteter Blick war, nun ja, irgendwie 'not amused'. Schlussendlich meinte er, das ich das Ding da liegen lassen sollte und einfach eine neue nehmen sollte. Den unterschwelligen Anschiss stillschweigend weg steckend schlenderte ich zum Ersatzteillager, um eine neue Kerze zu holen. Immerhin konnte ich die Bestellung mit den Worten einleiten: „Der Meister hat gesagt…“ Zumindest kamen keine Lacher aus dem Kollegenkreis.

Dieser von mir gewartete Käfer fuhr seid dem mit mehr Zündkerzen als Zylinder rum. Meine Meinung über dieses Fahrzeug hatte sich seit dem gefestigt: Verbaute Mistkisten. Dennoch stellt ein gut bis sehr gut restaurierter Käfer heutzutage eine Augenweide dar. Vor allem wenn noch besondere Ausstattungsdetails hinzu kommen. So wie am Käfer vor dem Schwesternwohnheim (oben) wie auch am BKK-Käfer.

Aber so eine Kiste will ich weder besitzen geschweige denn nochmals reparieren; ich bin da eher negativ vorbelastet.

Eingestellt von Heiko um 19:33 |

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