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Sonntag 21 September 2008
Der Segen des Geizigen
Der Segen des Geizigen
Einst ging ein Bischof durch die Stadt.
Ein Bettelbube zu ihm trat,
Zog
vor ihm ab gar tief den Hut
und sagt: „Herr, seien Sie so gut,
Bis
an den Hals steck ich in Schulden,
Und schenken Sie mir einen Gulden
zu
diesem lieben Neuenjahr,
Das wär' ein christlich Werk, fürwahr!“
„Was?“ schrie der Bischof eifersvoll,
„Ich glaube, Junge,
du bist toll!
Ein Gulden bei so schlechter Zeit
Ist wahrlich keine
Kleinigkeit!“
„Nun, Herr“, fiel ihm der Bettler ein,
„So mögen's denn
acht Groschen sein.“
„Nichts, nichts“, versetzt' der Bischof drauf,
„Geh fort
und halte mich nicht auf!“
„Ihr Gnaden, einen Groschen dann.“
„Fort, fort! Auch den
nicht.“ -
„Nun wohlan!
Sie sehn, wie ich mich handeln
lasse.
Ein Hellerchen?“ –
„Geh deiner Straße! Nichts,
gar nichts!“ –
„Das ist etwas arg“,
sprach
drauf der Bube. „Sie sind karg!
Doch lassen Sie sich dann
bewegen
Und geben mir nur Ihren Segen!“
„Den sollst du
haben, lieber Sohn“,
erwiderte mit süßem Ton
der
Geistliche. „Knie hin vor mir,
Den besten Segen geb' ich dir!“
„So?“
sprach der Bursche ganz verwegen,
„Behalten Sie nur Ihren Segen!
Ich
hab' ihn zu geschwind begehrt.
Wär' er nur einen Heller wert,
Sie
gäben ihn, hochwürd'ger Herr,
Gewiss nicht so gutwillig
her.“
(].F. Zacharias)