« Andacht im Wat Suthat | Startseite | Tod eines eMac »

Mittwoch 24 September 2008

Bis das der TÜV uns scheidet

Nach den Querelen von vor zwei Jahren – die etwa 'nen Tausender an Ersatzteilen kosteten – ging meine italenische (Im-)Mobilie diesmal fast ohne Zwischenfälle durch die amtlich angeordnete Hauptuntersuchung. Eigentlich ging meine Seifenkiste – wie ich den Wagen liebvoll nenne – ohne Zwischenfälle durch den TÜV. Die Scherereien gingen vorher los. Ein Anruf der Werkstatt informerte mich darüber, das der Wagen nicht ansspringt – obwohl dies die Tage vorher tat. Im Hintergrund war der Anlass-Jodler (im doppelten Wortsinne!) zu hören. „Na Klasse!“ dachte ich mir. „Ich schau mir das an.“ erwiderte ich und schwang mich in die Strapazenbahn.

'ne knappe Dreiviertelsunde später kam ich zur Werkstatt. Eine auf einer Sackkarre befestigte recht große Starterbatterie befand sich vor menem Wagen. Die daran befestigten Kabel schlängelten sich unter die geöffnete Motorhaube und klemmten an meine Batterie. Der Chef und sein Mechaniker waren gerade mit anderen Dingen beschäftigt. Also unternahm ich den ersten Startversuch. Nichts. Im Handschuhfach befindet sich für solche Fälle immer eine Sprühdose mit Kontaktspray. Also Handschufach auf, die Dose kurz geschüttelt und die bekannten neuralgischen Punkte im Motorraum eingesprüht. Neuer Startversuch. Nichts.

„Scheiße!“ dachte ich nur. Heute ist Freitag, mein Chefmechaniker ist sowieso bereits im Wochenende und überhaupt roch die ganze Geschichte nach ‚dumm gelaufen‘. Also blieb mir nichts anderes übrig, als den Werkstattchef nach einer kostenlosen Bleibe für mein Gefährt anzuschnorren. Schwein gehabt. Am folgenden Wochenende konnte ich meine Arbeitsstelle glücklicherweise mit ‚Öffis statt Töffis‘ erreichen – was ja nicht gerade immer so gegeben ist. Doppelt Schwein gehabt. Trotzdem klingelte ich meinen Chefmechaniker an.

Am darauf folgenden Montag morgen trafen wir uns wie üblich kurz nach dem Aufstehen – um elf – zum Morgenkaffee im Tiffanys. Anschließend begaben wir uns auf eine Stadtrundfahrt (‚Öffis statt Töffis‘) in Richtung Werkstatt. Etwa gegen späten Mittag kamen wir dort an. Der Chef und sein Mitarbeiter waren mal wieder mit anderen Dingen beschäftigt und somit schwer aufzutreiben – was aber nicht gänzlich unmöglich war. Als erstes besorgte ich die Batterie auf Rädern und schloß sie an. Einen ersten Startversuch verwarfen mein Chefmechaniker und ich. Weil wir zum ersten nicht wußten, warum der Wagen nicht anspringt, und weil zum anderen die Spannungen zwischen den beiden Batterien erstmal ansatzweise ausgeglichen sein sollten (Achtung, Wortspiel!).

In letzter Zeit hatte sich bei uns ein Ritual heraus kristallisiert, welches eigentlich immer zum Erfolg führte: Alle Stecker abziehen und wieder aufstecken, welche im entferntesten mit der Zündanlage zu tun haben. Darüber hinaus wurde der eine oder andere Kabelstecker mit Kontaktspray behandelt. Danach kam der erste Stratversuch. Voller Erfolg! Ohne murren sprang mein Wagen auf Anhieb an. Ich fühlte mich verarscht.

Die Fremdbatterie wurde abgeklemmt und der Wagen erstmal im Stand laufen gelassen. Warm werden und so, die eigene Batterie füllen und so… Dies ist im übrigen eine Situation, in der man als Raucher eine angemessen Zeitspanne überbrücken kann, ohne andere Leute mit aufgezwungenen Gesprächen oder so auf den Zwirn zu gehen. Die Kippen landeten selbstverständlich im Aschenbecher. Der Lüfter sprang mittlerweile an, also war es Zeit für eine Probefahrt. Die Fahrt diente hauptsächlich dazu um die Batterie zu laden, außerdem wollte ich mal die Gegend meiner Kindheit mal wieder sehen.

Zurück gekehrt von der Fahrt testeten wir nochmals das Anspringverhalten. Kein Problem. Auf die Frage des Werkstattchefs und seine Mechanikers, was wir denn gemacht hätten, antworteten wir mit einem Schulterzucken. Als Antwort erhielten wir nur Gesichter, die ein Fragezeichen ausdrückten. Mein Chefmechaniker und ich entwickelten anschließend noch ein paar Theorien ob des Problems. Meinpersönlicher Favorit ist immer noch ‚zieht irgendwo Feuchtigkeit in der Elektrik‘ während mein Chefmechaniker mehr auf ‚Zündanlassschalter‘ setzt, weil ist ein altes Problem meiner Sorte von Autos…

Auf diese erfrischende Idee hin entschalten wir die Lenksäule von ihren unteren Plastikverkleidungen, legten ein paar Kabelbäume beiseite und mühten uns zum Zündanlassschalter vor. Der aber war in einem gußeisernen Gehäuse eingebaut. Mit einem fingerfertigen Trick zog mein Chefmechaniker mittels des Zündschlüssels den Schließzylinder raus, übergab mir beides mit den Worten „Halt mal fest, aber Spiel damit nicht rum, sonst krieg ich den Mist nicht wieder rein!“ Ich hielt die Luft an, nahm beides an, hielt es verkrampft und wartete. Der Zündanlassschalter wollte sich patout nicht bergen lassen. Nach einer Weile verlangte mein Chefmechaniker nach dem Schlüssel samt Schließzylinder. Ich übergab ihm beides – unverändert – und er baute meine Lenksäule zusammen. Ich atmete tief durch.

Wie auch immer, der Wagen sprang ohne murren an und die Batterie war voll. Ein weiteres mal kam ich mir verarscht vor. Dennoch war eine TÜV-Prüfung für den Wagen fällig. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Mechaniker sollte ich ungefähr um 18.00 Uhr Zurück kommen, wenn ich den Wagen geprüft haben wollte. Es war noch sehr lange bis dahin, aber der ‚Segen‘ für die nächsten zwei Jahre war ja das ausschlaggebende Motiv für die Fahrt in die Werkstatt. Nach der Zustimmung begaben wir uns auf eine weitere Stadrundfahrt, die uns zurück ins Tiffanys führte.

Immerhin gab es als Mittagstisch – so haten wir es noch vom Morgenkaffe in Erinnerung – eine Lasagne mit Lachs und Spinat. Außerdem hatte der Wirt vor kurzer Zeit seine obere Etage eröffnet, die dringend einer Besichtigung bedurfte. Um diesen Teil der Erzählung mal auf den Punkt zu bringen: Die Lachs-Spinat-Lasagne war lecker, der obere, neue Teil des Tiffanys war bequem und interessant. Nach dem Mittagsmahl musste sich mein Chefmechaniker von mir trennen.

Die dritte Stadtrundfahrt dieses Tages trat ich alleine an. Viel zu Früh – am späten Nachmittag um kurz nach fünf – traf ich in der Werkstatt ein. Der TÜV-Prüfer war natürlich noch nicht da gewesen – ist ja schließlich ein beschäftigter Mann. Also sollte ich in einer knappen Stunde nochmals vorbeischauen. „Na Klasse“ dachte ich mir „dieser Teil von Hannover ist ja sowas von tot, wie soll man da eine Stunde rum kriegen?“. „Ok, man gehe 30 Minuten in diese Richtung, dann drehe man um und kehre zurück.“ Mit dieser Mehtode erledigte ich die überflüssige Stunde.

Ein wenig zu früh war ich dennoch zurück, aber immerhin war der Chef zurück und bot mir einen Kaffee an, den ich mittlerweile bitter nötig hatte. Zwischenzeitlich kam endlich der Prüfer. Kurz danach hörte ich, wie mein Wagen – eigentlich ohne murren – ansprang. Die Prüfung begann. Mein Kaffebecher war kurz darauf leer, worauf ich mich an den Ort des Geschens begab. Blöderweise teilte mich der Prüfer gleich als Handlanger ein. Ich sollte doch mal an meine Wagen diverse Lichter ein- und ausschalten. Meine Fresse, ich wunderte mich echt immer noch darüber, wo diese Kiste überall Knöpfe hat.

Letztendlich aber gab es die begehrte Plakette, und so fuhr am Ende eines langen Tages hoffungsvoll nach Hause.

Das mit den Startproblemen hätte ich ja längst vergessen, wenn das darauf folgende Wochende nicht gewesen wäre. Die Kiste wollte mal wieder nicht, aber pfiffig wie ich bin, stellte ich den Anlass-Jodler nach dem vierten Versuch ein. „Kacke“ dachte ich mir, aber glücklicherweise bruchte ich die Mistkarre nicht. Also erstmal stehen lassen. Am darauf folgenden Tag begab ich mich auf die übliche Schadensbehebung: Kontaktspray und alle Stecker im Motorraum mal abziehen und wieder aufstecken. Nichts. Die Dreckskarre wollte nach dem vieren Startversuch nicht anspringen. Weitere Versuche unterließ ich, denn ohne weitere Starthilfe konnten die ‚Orgeleien‘ nur in einem Desaster enden.

Mist.

Am nächsen Tag aber brauchte ich den Wagen aber. In Anbetracht der Tatsache des Versagens meines individuellen Verkehrsmittels musste ich mir einen so genannnten Plan ‚B‘ zurechtlegen. Ich besorgte mir aus dem Netz Fahrpläne zu meinem Ziel – und natürlich zurück – sowie einen Stadtplan. Ich hievte meinen Arsch einigermaßen Zeitgerecht aus Bett und nach den üblichen Morgenritualen (Pinkeln, Zigarette, Kaffee, nochmals pinkeln, 2. Kaffee, Zigarette, Hygiene, Stuhlgang, Zigarette…) zu meinem Wagen. Er sprang auf Anhieb an. Irgendwie fühlte ich mich versheissert, was aber auch letztendlich Egal war. Ich begab mich zu meinem Ziel.

Am Ende des Tages wollte ich mich nach Hause begeben. Eingedenk der Tatsache ob der Starschwierigkeiten meines Wagens begab ich rechtzeitig hinter das Lenkrad. Immerhin wollte ich im Falle des Versagens meines Gefährts auf die ‚Öffis‘ zurück greifen können. Darüber hinaus hatte ich ja Plan ‚B‘ in der Tasche. Der Wagen sprang an, ich fuhr ohne zwischenfälle nach Hause. Da ich am ersten Tag nicht fertig wurde, musste ich noch eine Reise unternehmen. Auch diese zwei Fahrten legte meine italenische (Im-)Mobilie – wie ich mein Automobil immer gerne nenne – ohne Probleme zurück.

Ob es nun der Zündanlassschalter ist, oder die unbekannte Stelle, an der die Zündanlage Feuchtigkeit zieht und somit einen Kurzsschluss verursacht. Seit ein paar Tagen liegen im Handschuhfach neben einer Dose Kontaktspray noch sämtliche notwendigen Nahverkehrspläne meiner Umgebung. Man kann ja nie wissen… Seitdem springt meine Wagen (mit Leder-Sportlenkrad, Lederschaltknüppel und Leichtmetallfelgen) zuverläsig an.

Ich kann also feststellen, dass mein individuelles Fortbewegungsmittel neben Superbenzin auch eine Portion Voodoo zum Fahren benötigt.

Sei 's drum.

Eingestellt von Heiko um 18:57 |

Thingamablog Link Strip Moveablestyle Link Strip RSS Feed
Locations of visitors to this page
hit counters
Add to Technorati Favorites
Kategorien
Allgemeines
Alte Kfz
Angeklickt
Anleitungen
BKK 50
BKK 52
BKK 54
Fotokram
Fundstück
Hannover
Mac Games
Mac OS X
Mac Software
Meinung
Musik
Thingamablog
Archiv
Archivindex