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Montag 20 Oktober 2008
Sammelstelle für LP-Cover
Immer erzählen die Alten, das nichts über die Soundqualität einer LP geht. Jenen Datenträger, von dem mittels ziemlich harter Metalle – wer es sich leisten konnte, nutze Diamantabtastsysteme – von einer aufgerauten Weichplastik Töne in Form von eingepressten, spiralförmig angeordneten Unregelmäßigkeiten abtastete. Zumindest war 'abtasten' der gängige Begriff für den Vorgang, mittels denen ein Abtastsystem die Erschütterungen zunächst in elektronische, dann in akustische und somit hörbare Signale brachte. Die Bezeichnung 'Abkratzen' für den Abtastvorgang trifft es eigentlich besser, aber Abkratzen erinnert doch sehr an ein unangenehmes Ableben.
Das Ableben betraf die Medien, mit welchen die Musik verkauft wurde. Derartigen mechanischem Verschleiß ausgesetzt, ging die teuer im Laden erworbene Musik früher oder später in einem breiigen Rauschen unter. Noch ärgerlicher war aber, wenn sich nach dem zweiten Abspielen bereits 'Knackser' Lautstark bemerkbar machten. Man konnte die alten Rillen – so wurden die LPs und Singles auch genannt – noch so vorsichtig behandeln, irgendwann setzte sich Staub auf den Musikträgern ab. Dies nannte man einen 'Kratzer'. Ein Kratzer in einer eingekratzten Kerbe, welch Blödsinn; eigentlich hätte man dies Nivellierung nennen müssen.
Kurz und Gut: Das Ableben der schwarzen Scheiben, die diversen mechanischen Belastungen ausgesetzt waren, war nur folgerichtig. Ein Ersatz bot die Laserabtastung an (CDs, DVDs und was da demnächst sonst noch so kommt). Aber 'ach oh weh' schrien alle Leute, das klingt steril, das ist keine Musik mehr. Aus heutiger Sicht ist das natürlich absoluter Blödsinn. Die Silberlinge waren im Alltag robuster. Man konnte sie durchaus mal ein paar Tage offen liegen lassen; danach wischte man den Staub herunter und schob sie ins Laufwerk. Und sie klang wie frisch aus dem Laden. Selbst einige Kratzer machten den Scheiben – die man übrigens nicht mehr umdrehen musste – kaum was aus.
Das Gejammere ging wie immer von den Technik-Konservativen aus. Sofern die CDs vernünftig abgemischt waren, hörte man keinen Unterschied. Es wurde auch viel Müll verkauft, ich besitze selber solche Beispiele, bei denen das Vinyl (daraus waren die alten LPs) besser klingt als das neumodische Polycarbonat. Aber ansonsten ist die Aussage absoluter Müll. Dennoch ging mit den alten LPs etwas verloren, und das waren die Cover.
Jene zum Teil wirklich aufwändig gestalteten Umverpackungen waren zum Teil besser als so manche teuren Bildbände. Auch davon habe ich noch eine kleine Sammlung im Keller. Man muss sich nur die Formate vorstellen, in denen die zu meiner Zeit gängigen LPs verpackt waren: knapp 31 Quadratzentimeter. Verglichen dazu haben gängige CD-Verpackungen nur 12 cm². Bedauernswert ist für mich nur der Verlust der Fläche, auf der sich weitere Künstler – neben den Musikern – gewissermaßen austoben konnten. Zugegeben, manches mal war das Cover besser als die Musik, die sich im inneren befand. Aber es war immer ein Erlebnis, wenn in den besseren Produktionen ein zusammengefaltetes Poster beigelegt war. Nun gut, in manchen CDs gibt es so was auch, aber die heutigen Beilagen überschreiten ausgefaltet kaum die Maße eines Gästehandtuchs.
Ein wenig vom Geist der alten Musikverpackungen vermittelt LP Cover Lover, obwohl dort im wesentlichen nur eher schlichte Cover vorgestellt werden. Blöderweise auch nur im verkleinernden Web 2.0 Format. Trotzdem wünsche ich viel Spaß beim surfen.