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Donnerstag 23 Oktober 2008
Tod eines eMac - Teil 2
(Teil 1)
Nach dem ich nun mittlerweile zu Atem gekommen war und mein neuer Rechner lief, stellte sich mir die Frage, was mit dem eMac nun passieren sollte. Irgendwie juckte es mich in den Fingern und eine gewisse Neugier stellte sich ein – im gewissen Sinne drang in mir der der Geist von 'Jugend Forscht' empor. Doch nach sechs Jahren Laufzeit, davon ungefähr drei und ein halb am Stück, versuchte ich mir auszumalen, wie viel Dreck der Lüfter in der Zeit an gesogen und im formschönen Gehäuse aufbewahrt haben musste. Außerdem wollte die interne Festplatte geborgen werden, sie sollte nicht mit auf den Elektromüll. Immerhin waren auf der Platte noch alte Erinnerungen – und diverser anderer Kram, der niemanden außer mir etwas angeht, gespeichert.
Cool sieht er ja aus, fast wie früher, aber tot ist er schon. Mausetot.
Neben dem vermeintlichen Jungbrunnen, den die Zerlegung abgerauchter Rechenhardware versprach, gesellte sich durchaus ein drängendes echtes Interesse: Die Platte muss raus. Auch schon aus dem Grund, die alten noch nicht gesicherten Inhalte zu speichern und den Massenspeicher endgültig zu löschen. Gewissermaßen mehrfach motiviert stellte ich gedanklich ein Grobkonzept auf, wie die kommende Arbeit zu bewerkstelligen sei. Dabei waren das Gewicht des Rechners sowie der zu erwartende Dreck zu berücksichtigen.
Nach einem kurzen Moment des Überlegens hielt ich inne, ging auf den Balkon, räumte den Tisch frei, ging zurück und wuppte den alten Rechner auf den Balkontisch. Das war zwar nicht geplant, aber bevor ich vor lauter Planung zu nichts komme, handle ich lieber. Ich war ja so stolz auf mich. Nachdem ich wieder Luft bekam, kramte ich meine Werkzeugkiste hervor und stellte nach einem Blick fest, das ich unheimlich viel Glück hatte. Die Inbusschlüssel befanden sich in der Kiste, nicht im Keller. Immerhin fünf Etagen gespart.
Zeit für einen Kaffee und zwei Zigaretten.
Zurück auf dem Balkon wurde der alte eMac erstmal auf die Monitorseite gelegt. Die Speicherchips und die Schrauben für das Gehäuse waren schnell entfernt. Das Gehäuse selbst war ebenfalls ohne Aufwand abgehoben worden. Genau in dem Moment des Abhebens des Gehäuses stand ich in einer Wolke aus alt abgelagerten Staub. Die am selben morgen Frisch angezogene Bekleidung war mit einem Schlag reif für die Wäsche. Na klasse. Aber der größte Teil des Drecks haftete noch an den Innereien des nun entblößten Rechners. Eklig.
Innereien und Dreck.
Der Inbus hatte seinen Job erledigt, nun musste ein Kreutzschlitzschraubendreher her, der sich glücklicherweise in der Nähe befand. Die ersten Bleche wurden entfernt. Danach wurden weitere Bleche entfernt, ohne dem Kern des Rechners auch nur Ansatzweise näher zu kommen. Zwischendurch fiel immer wieder etwas von dem alten, durch den beständigen Luftstrom des Kühlers komprimierten Drecks herab. Mittlerweile entstanden fünf größere Haufen auf meinem Balkon: Schrauben, Bleche, Teile vom Plastikgehäuse, Dreck und der immer noch imposante Rest vom Rechner.
Noch 'nen Kaffee, noch zwei Kippen.
Mit der dritten Kippe im Maul ging es weiter. Die nächsten Schrauben wurden entfernt, diverse Bleche entfernt und beiseite gelegt. Nach einer guten Stunde – mich hat niemand gehetzt – kamen so langsam die ersten Platinen zum Vorschein. Dies nahm ich zum Anlass, einen sechsten Haufen auf dem Balkon auf zumachen: Elektroschrott.
Irgendwann war der Restrechner derart erleichtert, als dass ich ihn drehen konnte, ohne mir den sprichwörtlichen Bruch zu heben. Nun konnte die Frontblende entfernt werden. Nachdem ich so Zugriff auf weitere Schrauben bekam, werkelte ich weiter. Der alte Rechner verschlankte weiterhin, die Haufen auf dem Balkon wuchsen zusehends. Zwischenzeitlich kam noch ein siebter Haufen hinzu: Aluminiumkühlkörper. Ein leises 'Wow' entglitt mir, der Recyclinghof dürfte ob meiner Bastelarbeit wohl seine helle Freude haben.
Kippe, zwei Kaffee 'wegbringen', Kippe, frischen Kaffee, noch 'ne Kippe.
So langsam lichtete sich das Objekt der Neugier. Im gleichen Zuge müllte mein Balkon zu. In gewisser Weise bewunderte ich all die vielen Menschen, die die vielen Teile auf so kleinen Raum unterbrachten. Nun gut, so klein war der eMac nun auch wieder nicht, aber wenn all die vielen Teile aus denen der Rechner bestand erstmal vor sich sieht, muss man sich über den Zuwachs an verbrauchten Raum doch schon ein wenig wundern. Vor allem wenn man sich vorstellt, den ganzen Kram wieder zusammen zu bauen. Irgendwie aussichtslos.
Der alte eMac lag nun wieder mit dem Monitor Platt auf dem Tisch. Die ersten größeren Platinen wurden abmontiert. Ebenso der alte CD-Brenner, welcher schon vor einem Jahr die Arbeit einstellte, als auch die Festplatte. Endlich. So langsam lies die Motivation nach, aber nun kam sie mit der Bergung des Schätzchens ein wenig wieder. Die Platte wurde sogleich vom Balkon in meine Wohnung verbracht. Schließlich hatte ich mit ihr noch ein wenig mehr vor – Stichwort Datenbergung.
Der alte Lüfter der schon immer Lärmte wie ein Stausauger. Was daran ist nun Schaumgummi, und was ist – äh – Dreck?
Kaffee- und Klopause, bei der Gelegenheit noch ein paar Kippen geraucht.
Nun lagen noch ein paar Platinen vor mir, und die Bildröhre. Todesmutig im wahrsten Sinne des Wortes machte ich mich über die noch vorhandene Elektronik her. Ein paar dickere, zylindrische Bauteile wurden mit einem zwischenzeitlich herbeigeschafften Seitenschneider vom Rest getrennt, andere Teile von der Rückseite der Bildröhre entfernt. Besonders spannend fand ich die kleine Platine, welche sich rund um das schmale Ende der Bildröhre befand. Zunächst wollte sich die Platine nicht entfernen lassen, aber nach ein paar vorsichtigen Schlägen mit dem Griff des Schraubenziehers knackte es vernehmlich, und irgendwas sog vernehmlich Luft ein.
'Ah ja' dachte ich mir, das war wohl die Bildröhre. Der Rechner war zerlegt, an eine zusammensetzen war nicht mehr zu denken. Das war aber sowieso nicht vorgesehen. Nach einer kurzen Zigarettenpause ging es ans aufräumen. Die vielen Haufen mussten nun zum Abtransport optimiert werden. Die Schrauben und Bleche vereinten sich zum Stahlschrott, die Plastikteile gingen in den Hausmüll. Der von den vielen Jahren des quasi ununterbrochenen Betriebs angesammelte Dreck ging in die Mülltüte. Es blieben ein großer Karton Stahlschrott, ein großer Karton Elektroschrott, ein Bildschirm, zwei RAM-Bausteine und die Festplatte. Das Aluminium wird separat abgegeben.
Der Rest vom Schützenfest: Schrauben und Dreck auf (Plastik-)Marmor.
Nach der vielen Arbeit gönnte ich mir ein paar Zigaretten, einen Kaffee, eine Dusche, frische Klamotten und ein Nachmittagsschläfchen.