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Sonntag 07 Juni 2009

Verbindungsabbrüche

Bevor ich es ganz vergesse: Freitag Nachmittag war wieder ein Techniker der Telekom hier und hat die Leitung durchgemessen. Der arme Tropf kann für meine Verbindungsprobleme nichts, also sollte niemand auf die Idee kommen, ihn – oder seinen Arbeitgeber – zur Zielscheibe irgendwelchen Spotts zu machen. Noch weiß niemand, woran es liegt.

Von den Erfahrungen mit den vorgehenden Techniker schloss ich Messerscharf, das der Besuch sich durch ein Totalversagen der Verbindung ankündigt. Beim letzten Mal hat der Techniker die Verbindung in der Messstelle gekappt und einen Prüfwiderstand eingesetzt. Eine gute Viertelstunde später klingelte es dann. Von meiner Wohnung aus wurde der Widerstand gemessen und eigentlich nichts festgestellt. Hmm.

Auf ein ähnliche Vorankündigung eingestellt – Totalversagen der Verbindung etwa 15 Minuten vor dem eindringlichen Geschelle an der Tür – reinigte ich meine Wohnung. Man muss ja schließlich nicht jede Peinlichkeit der Öffentlichkeit zeigen. Doch plötzlich erschrak ich, denn es klingelte, obwohl die Verbindung noch stand. Einschiebend muss ich erwähnen, das seit etwa Dienstag Mittag die Verbindung mit ca. 9.000 kBit/s down und rund 707 kBit/s up sich wieder gefangen hatte – so als ob nichts gewesen wäre.

„Scheiße!“ dachte ich mir, als es ohne Vorwarnung an der Tür klingelte. Ohne Hose am Leib drückte ich den Summer. Immerhin hatte ich vier Etagen Vorsprung. Während sich der Techniker die Stufen hoch quälte, verbarg ich fix meine bleichen Knochen mit 'ner alten Jeans (schwarz). Das Timing passte.

Kurze Begrüßung, höflicher Verweis an den Techniker meinerseits an seinen Arbeitsplatz. Ein kurzer Blick seinerseits auf mein Equipment, dann schritt er zur Tat. Der Techniker zog recht selbstbewusst den Stecker aus der Telefondose, kappte die stehende Verbindung und führte seinen Prüfprengel ein. Cooles Gerät: farblich Neutralgrau, etwas größer als ein Ziegelstein und lediglich zwei grüne LEDs, die Eingeweihten irgendwas über irgendwelche Funktionen aussagen sollen. Keine Displays, die einen zutexten. Sinn dieses grauen Ziegels war es, glaub' ich, eine einfache DSL-Verbindung zur nächsten Vermittlung aufzubauen und etwas über den Erfolg darüber zu vermitteln.

Sinngemäß stellte er fest: „Kein Befund.“ Die Leitung war seiner Meinung nach in Ordnung. Also den Prüfprengel aus der Dose gezogen und die Fritzbox wieder eingestöpselt. Der Techniker verstaute zwischenzeitlich sein Werkzeug in seine Umhängetasche. Wir warteten gespannt, ob sich die vielen grünen Lampen am Router beruhigen würden. Nichts. Also Fritzbox vom Stromnetz getrennt, abgewartet und wieder verbunden. Nichts. Der Techniker packte den Prüfprengel wieder aus und stöpselte ihn anstatt der Fritzbox ein. Super! Prengel raus, Fritzbox rein. Nada… Kacke!

„Wie viele Telefondosen haben Sie in ihrer Wohnung?“ lautete seine Frage.
„Eine.“ antwortete ich.
„Splitter schon mal getauscht?“
„Ja, mehrfach.“
„Kabel getauscht?“
„Ja.“
„Router?“
„Ja…“
„…?“
„…“


Ich wies darauf hin, dass der Router schon mal getestet wurde. Der Techniker schraubte zwischenzeitlich die Abdeckung von der Telefondose ab und kontrollierte, ob die beiden Strippen fachgerecht angeklemmt waren. Nun, das waren sie – der Techniker von letzter Woche hatte saubere Arbeit hinterlassen. Der aktuelle Techniker konnte keine Ideen mehr entwickeln und außerdem drohte das Wochenende herein zu brechen. Nachdem die Abdeckung wieder angeschraubt war, trennten uns unter den üblichen Verabschiedungsritualen. Meine Wohnungstür fiel höflich ins Schloss und die Fritzbox blinkte fröhlich vor sich hin als ob es kein Morgen gäbe.

Mittlerweile war ein Zustand eingetreten, den man durchaus als sehr unbefriedigend einstufen könnte. Die eigentlich funktionsfähige Verbindung wollte einfach nicht mehr. Der Schwarze Peter befand sich in nunmehr meiner Hand. Ich erinnerte mich, das sich in meinem Keller noch ein altes DSL-Modem befand. Also fünf Etagen runter, das Modem geborgen und fünf Etagen schwer bepackt wieder hoch. Nachdem der gefühlte Infarkt abgeklungen war, ersetzte ich Teile meiner Hardware. Die Verkabelung und ein paar Eingaben in den fiesen Systemeinstellungen benötigten etwas Zeit. Vor allem bei den Systemeinstellungen war ich etwas aus der Übung. Aber dann…

Eine Verbindung ins Netz aller Netze! Boah! Zwar nur mit rund 3.000 kByte/s down und 'nen Keks up, aber immerhin. Die zittrigen Hände beruhigten sich allmählich. Ich surfte ein wenig und beschloss, mal wieder die Fritzbox anzuschließen. Nach getaner Arbeit offenbarte sich mir das Internet pur, mit schlappen rund 3.000 kByte/s down. Obwohl zu Testzwecken 8.000 eingestellt sind und 16.000 bezahlt werden. Irgendwie klappte es – für einen Moment. Die Verbindung brach wieder mal zusammen.

Mein Handy brummte. Ein Servicemensch meines ISP war dran (!) und erkundigte sich wohlwollend nach dem Ergebnis der Leitungsprüfung. Mit einem grünen Blinken im Augenwinkel las ich den von mir und dem Techniker unterschriebenen Service-/Montagenachweis vor. Das bis dato eher einseitige Gespräch gipfelte an die Stelle, an dem ich das getauschte Modem anmerkte – bei der Fritzbox handelt es sich um ein Router mit VoIP-Funktionalität, der Kellerfund ist ein schlichtes, aber funktionsfähiges Modem ohne blingbling – mal so am Rande bemerkt.

Im weiteren Gespräch tauschten wir unsere Erfahrungen über die Leitungsqualität meiner Anbindung aus und kamen beide nicht umhin fest zu stellen, dass die Leitung mal wieder zusammen gebrochen war. Wir einigten uns darauf, das ich nochmals von der Fritzbox aufs Modem wechseln sollte und das der Servicemensch in wenigen Minuten zurück rufen wolle.

Mittlerweile gehen Neuverkabelungen und Änderungen in den Systemeinstellungen etwas fixer von der Hand. Die Verbindung stand wieder – mit lausigen 3000… Aus den angekündigten wenigen Minuten Wartezeit wurde eine zähe halbe Stunde; aber was soll 's, wahrscheinlich hat der Servicemensch noch mehr zu tun. Dann endlich brummte es wieder.

Wir stellten beide fest, das die Verbindung wieder stand, wenn auch mit grottigen Werten. Der Servicemensch erwähnte, das er sich wundere, das die Verbindung vorhin abgebrochen sei. Immerhin hat er, so versicherte er, die ganze Angelegenheit beobachtet. Wir rekapitulierten nochmals den Besuch des Technikers von vor ein paar Stunden. Dann kamen wieder die üblichen Fragen:

„Wie viele Telefondosen haben Sie in ihrer Wohnung?“

Um nicht vor Wut loszubrüllen hielt ich geistesgegenwärtig für einen Moment inne, holte tief Luft und antwortete tonlos „…eine…“. Der Rest des Gespräches kam mir wie ein Dejá-Vù-Erlebnis vor – dennoch rekapitulierte ich zum wiederholten Mal meine Erfahrungen der vergangenen Wochen meinem Gegenüber: mehrere Splitter, Router in seiner Filiale getestet, gegen Pfand entliehene Router, neue Kabel hier, anderes Modem, neue Telefondose, Leitung zweimal von Facharbeitern gestestet, frische Strippen dort; Verbindungsabbrüche ohne Ende: mal kann sich der Router stundenlang nicht mit der Gegenstelle verbinden, dann wiederum verbindet sich der Router, um sogleich wieder aus der Leitung zu fliegen – Stundenlang. Und den ganzen Quatsch mit variierenden Bandbreiten. Gerade bei letzterem misslang mir der Versuch gründlich, irgend einen Zusammenhang mit der Witterung herzustellen.

Einige der Maßnahmen waren reiner Voodoo. Mittlerweile überlege ich mir, ob ich nicht ein paar Hühner auf meinem Balkon vorrätig halten sollte. Ein paar Brotkrumen hier, ein wenig Erleichterung dort. Einmal wöchentlich schabt man die Vogelkacke von den Bodenkacheln. Und wenn die Verbindung mal wieder zusammen brechen sollte, lässt man einen Gockel rituell über die Klinge springen. Vielleicht sind mir dann die Götter gnädig gestimmt und es klappt mit dem Internet. Irgendwie.

Ja scheiße was!

„Dann müssen wir wohl einen Service-Ingenieur vorbeischicken. Aber die sind teuer und selten zu erreichen, weil es nicht so viele von denen gibt und überhaupt, die Terminierung ist sehr schwierig.“ So lautete die – sinngemäß verkürzte – Antwort des Servicemenschen. Natürlich kam noch der Hinweis, wenn das Problem bei mir bestünde, ginge es auf meine Rechnung.

An dieser Stelle hielt ich wieder meine Klappe. Im Hinterkopf hab' ich noch den Gedanken, das nur derjenige bezahlt, der bestellt. Ich habe nicht bestellt, ich habe nur einen Fehler festgestellt und diesen brav weiter gemeldet. Was mein ISP macht, um den Vertrag einzuhalten, interessiert mich nicht. Hauptsache er tut es. Schließlich löhne ich in Erwartung einer Gegenleistung, ich opfere und huldige nicht. Mit den getauschten Routern/Modems dürfte mein Gegenüber Schwarzen Peter gezogen haben. Bislang war mein ISP kooperativ, ich gehe mal davon aus, das er es weiterhin bleiben wird.

Eingestellt von Heiko um 17:59 |

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