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Sonntag 21 Juni 2009

Waffen gehen immer

Wie der NDR und die HAZ letzte Woche berichteten, verkaufte in den beiden vergangenen Jahren die niedersächsische Landesregierung unter Federführung des Innenministers Uwe Schünemann (CDU) rund 13.000 gebrauchte Pistolen für 2,8 Millionen Euro an den Hersteller Heckler und Koch. Die aufbereiteten Waffen gingen anschließend in den legalen Waffenhandel und erreichten sogar die für ihren laxen Umgang mit Waffen bekannten USA.

In dem Videobeitrag des NDRs (erster Link) äußerte sich der Innenminister wie folgt: „Es gibt überhaupt keine Möglichkeit es anders zu machen, weil die Landeshaushaltsordnung klar darlegt, wenn wir hier auch einen Wert haben, dann muss dieser Wert auch umgesetzt werden. Das heißt wir müssen Einnahmen erzielen, allerdings nur im Rahmen des Waffenrechts. Und Daran hat sich auch gerade die Polizei hier in Niedersachsen ganz klar gehalten.“(Öhms und Ähs hab' ich mal raus gelassen…)

Super, dass die niedersächsische Polizei sich ans Waffenrecht und vor allem an die Landeshaushaltsordnung gehalten hat. Da hat bestimmt ihr Chef darüber gewacht. Helfen Sie mir mal auf die Sprünge Herr Schünemann: Wer ist der Chef der niedersächsischen Polizei? Und wenn man den Verkauf unterbunden hätte, Herr Schünemann, wäre das eine Straftat gewesen? Oder eher eine Ordnungswidrigkeit? Wie auch immer, mit so einer Lappalie wären Sie kaum aufgefallen, andere Politiker haben da mehr auf dem Kerbholz. Aber den Angehörigen der Opfer von Winnenden gegenüber hätten Sie sich einen Affront ersparen können und hätten die Welt mit ihren begrenzten Möglichkeiten sicherer machen können.

Wie es in dem HAZ-Artikel weiter heißt, praktizieren auch die Länder Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz den Verkauf von Waffen. Besonders Nordrhein-Westfalen hat sich mit der Praxis, Schießstände an Schulen einzurichten, besonders hervorgetan. Besonders mit der Erkenntnis, das angeblich keinerlei der ach so christlichen Innenminister im Gegenzug aber so genannte Killerspiele verbieten wollen, entblößt einmal mehr die dieser Personengruppe innewohnende Bigotterie. Im Alpenvorland fangen sie mit diesem Unsinn auch noch an.

Schünemann – selbst in einem Schützenverein organisiert – redet der Schützenlobby nach dem Mund. Er kann es sich nicht erlauben, es sich mit dieser großen, ländlich und folkloristisch geprägten Wählergruppe zu verscherzen. Zu was für lebensgefährlichen Aktionen diese Gruppen fähig sind, zeigte jüngst das Satiremagazin Extra drei unter der Rubrik Der reale Irrsinn. Auf einem Schießstand in Neustadt am Rübenberge durchschlugen mehrere Geschosse eine altersschwache Wand und überquerten den Spielplatz eines angrenzenden Schwimmbades. Glücklicherweise wurde niemand getroffen. Selbst in satirischer Überspitzung ist dieser Beitrag unerträglich.

Falls so ein Ballerkalle auf die Idee kommen sollte, seinen Kommentar bei mir zu hinterlassen: Das Thema Diskutiere ich nicht. Waffen gehören nicht in private Hände und vor allem nicht an Schulen. Wenn ihr wollt, dass die Kinder etwas mit Körperbeherrschung und Präzision erlernen sollen, dann stellt Billardtische auf. Aber das passt wahrscheinlich mit der christlichen Scheinwelt nicht zusammen, weil beim Billard mehr gestoßen als geschossen wird.

Eingestellt von Heiko um 22:21 |

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