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Dienstag 27 Oktober 2009
Arroganz in der Wiked-Pedia und sonstwo
Mittlerweile haben sich die Löschaktionen sogar bis in den Mainsream rumgesprochen. Man kann davon halten was man will, aber die folgenden Aussagen sind doch schon ein starkes Stück:
Im besten Fall werden Blogs von zweitklassigen Wissenschaftlern betrieben, im Normalfall vom Prekariat. Diesen und auch jedem anderem steht es natürlich zu, eine eigene Meinung zu haben und diese zu veröffent- lichen. [...] Der wissenschaftliche Diskurs findet aber stets und zum Glück immer noch innerhalb der Wissenschaftsgemeinde statt. Prinzipiell ist eine Demokratisierung der Wissenschaftskommunikation eine schöne Vorstellung, doch wer prüft das angebliche Wissen? Schon innerhalb der Wissenschafts- gemeinde wird zu wenig geprüft und Studien gefälscht bzw. wissen- schaftliche Ergebnisse ignoriert. [...]
Oh wie gnädig… Das muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen – wir dürfen eine eigene Meinung haben. Weiter heisst es:
[...] Unabhängig davon tragen Blogs zu einer erhöhten Wahrnehmbarkeit von im Optimalfall mittelmäßigen Wissenschaftlern bei. Um dauerhaft die Qualität der Artikel innerhalb der Wikipedia zu steigern, kann Wikipedia nicht nur darauf verzichten, ein Blogverzeichnis zu werden, sondern auch gänzlich auf die Einflussnahme der Blogosphäre auf wikipediainterne Richt- linien. Je schneller und konsequenter dies umgesetzt wird, desto eher hoffentlich auch die Erkenntnis der Blogosphäre, dass die kaskadierende Verbreitung von Halbwissen und Stellungnahmen ihre Grenzen bei Wikipedia findet. (via ScienceBlogs)
Befremdlich stimmt mich vor allem die Inbeziehungsetzung von mittelmäßigen Wissenschaftlern, Bloggern und Prekariat – vom arroganten Tonfall mal abgesehen. Der Begriff Prekariat wird zwar in die Wikipedia verlinkt, im Text aber bleibt der Zusammenhang dieser Personengruppen offen. Der Tonfall dieses (ehemaligen) Wikipedia-Kurier-Artikels ist eindeutig Arrogant. (Der von der in der Öffentlichkeit sich äußerndem Prekariat bemängelte Beitrag wurde mittlerweile entfernt - kann aber zur zeit dennoch über Versionshistorie abgerufen werden.)
Der unbedarfte Leser muss also annehmen, dass im Weltbild der Wikipedia der erstklassige Wissenschaftler ganz oben steht. Dann erst kommen zweitklassige Wissenschaftler, und dann erst der Rest der Welt. Der Autor bewundert – so muss ich dass verstehen – Leute mit Einser-Abschlüssen und stellt sie auf eine Stufe mit einer Superelite wie Merkel oder Benedikt den 13. Da der Autor aber selbst in der Wikipedia schreibt, scheint er zu nicht zu einer echten Elite dazu zu gehören. Augenscheinlich ist der Autor darüber gefrustet, das sein Abschlusszeugnis keine hervorhebenswerte Note ziert.
Bashing
Völlig überzogen aber ist hingegen ist das Bashing, welches der derer von Leitner derzeitig abzieht. Auch hier scheint ein gewisser Frust mitzuschwingen, welcher in der Löschung seines Blogs aus dem „gesammelten Weltwissen“ womöglich seine ursächliche Wurzel hat. Die Wikipedia ist nun einmal keine Auflistung irgendwelcher Weblogs – damit kann ich leben. Das man zwischen Wichtig, Unwichtig und absolut belanglos trennt, nun, auch damit kann ich leben. Die Wikipedia – wie schlecht sie derzeitig auch erscheint, dient der Informationsvermittlung. Fefe hingegen bespaßt seine Leser mit schräg kommentierten Links. Nicht mehr.
Obwohl seine Link-Tipps selbst für mich zuweilen erheiternd sind, so dümpeln seine angefügten Meinungen generell auf der Oberfläche. Schlimm wird es erst, wenn etablierte Meinungsbildner aus den Mainstreammedien seine Äußerungen ungeprüft übernehmen.
Ein auf dem ersten Blick ein etwas weniger bildhaftes, aber inhaltlich durchaus anschauliches Beispiel lieferte am letzten Wochenende Detlef Borchat. In seiner ureigenen Art war er in seiner IT-Sonntagskolummne nicht wie üblich nur schwer verständlich, sondern diesmal auch recht kryptisch. Das Synonym Hal Faber verlinkte in dem ersten Absatz auf eine Löschung eines Links auf Fefes Blog.
Wenn man aus den Änderungen in der ach so Wicked-Pedia sich die entsprechenden Links zusammenbastelt, landet man einerseits bei komischen Anmerkungen von Fefe, anderseits in irgendeinem Forum auf Elster.de. Wenn man nun die Links der letzteren Quelle weiter verfolgt – auch hier ist wieder eine gewisse Handwerksfähigkeit nötig, kann man eine fette exe-Datei runter laden. Mir als Mac-Anwender bringt das nichts, ebeso wenig den vielen Pinguinen da draussen. Ich hab' da jetzt eine 51,7 MB fette exe-Datei auf der Platte, die ich eigentlich nur mit der Maus elegant in den Papierkorb schubsen kann.
Und jezt mal im ernst: Hat von euch jemand mitbekommen, um welches Thema es geht? Ihr habt möglicherweise viele Links angeklickt, und seid – wenn ihr einigermaßen begabt seit – letztendlich auf einer allgemeinen Beschreibung von OpenSSL gelandet.
Und jetzt mach ich mal ernst: Welcher der Links im letzten Abschnitt hat euch informativ etwas gebracht? Habt ihr wirklichmitbekommen worum ging es sächlich überhaupt ging?
Notwendige Löschungen
Das dicke große Kind, welches sich mit weitem Abstand im Spiegelbild einer Schaufensterfront selbst kippsen muss, um vollständig im Bild zu erscheinen, bemängelt etwas, was es anscheinend nicht versteht. Manchmal müssen auch Kinder ihr Zimmer aufräumen, die Legos in diese Kiste, das Geschirr in den Spüli in der Küche und alte Pizzaschachteln in den Müll. Die beiden im vorigen Abshnitt genannten, von Hal Faber angedeuteten Links gehören eindeutig in den Mülleimer. Sie bringen zum bereits erwähnten Thema (OpenSSl) nichts.
Desweiteren plakatiert Fefe die Löschstastik der Wikipedia, in der ach so viele angebliche Artikel gelöscht worden sein sollen. Hat sich mal jemand die Mühe gemacht, auf den Link zu klicken? Nun, in der Löschstatistik gibt es die Unterrubrik Am häufigsten benutzte Löschkommentare. Dort gibt es unter anderem so informative Kommentare wie
- unnötige Weiterleitung
- unnötiger Redirect
- Wunsch des Benutzers
- Seit mindestens 14 Tagen ohne korrekte Lizenzierung
- usw.
Um mal auf den Punkt zu kommen: Der ehebliche Teil der Begründungen klingt eher nach Aufräumarbeiten, als nach willkürlicher Löschung. Der Großteil der angeblichen Löschungen betreffen in der Tat rein administrative Vorgänge.
Der eingangs erwähnte Beitrag aus der „Bild der Wikipedia“, der mittlerweile entfernt wurde, wirft ein schräges Licht auf die Wikipedisten. Meiner eher geringen Beobachtung nach wird weiterhin nicht nur planlos geschrieben, sondern ebenso planlos gelöscht – wobei ich das Schreiben höher gewichte. Gerade das Löschen lässt sich in heutigen Zeiten vermeiden, da Speicherplatz so was von bezahlbar geworden ist, das es jeder Beschreibung spottet. Lediglich die Darreichhungsform der „gültigen“ Artikel sowie der Entwürfe müsste vernünftig geklärt werden. Wer die Szene in der letzten Zeit beobachtet hat, wird feststellen müssen, das es geht.